Fahrwerk & Feeling

„Knackig“ trifft es für das Fahrwerk am besten. Es bietet einen guten Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und Kurvenlage. Laut Mazda Ingenieuren wurde die Seitenneigung in Kurven absichtlich nicht soweit wie möglich eliminiert, um ein gewisses Maß an „Thrill“ zu beizubehalten. Straßenschäden werden ganz gut geschluckt – einzig bei wiederkehrenden kurzen Bodenwellen wie auf schlecht asphaltierten Autobahnen lässt die Dämpfung interessanterweise alles durch. Wer den ND allerdings als reines Spaßauto fürs Wochenende kauft, sollte aber auch das Bilstein Fahrwerk in Betracht ziehen welches noch eine Nummer straffer abgestimmt sein soll.

Das ESP greift erst ein, wenn es wirklich notwendig ist und erstickt nicht wie bei anderen Fahrzeugen jeden Spaß im Keim. Auf Knopfdruck kann es außerdem vollständig deaktiviert werden.

Mazda MX-5 Skyactive G131

Ein klassisches Feature des Japan-Roadster ist die 50:50 Gewichtsverteilung, auch sie ist natürlich wieder mit von der Partie. Es wurde allerdings darauf hin gearbeitet den Schwerpunkt weiter nach unten zu verlagern. Dies ist unter anderem gelungen indem der Motor nicht wie bisher fast an der Spritzwand ansteht, sondern quasi in ihr versinkt.

Wirklich gewaltige Fortschritte hat die Modellreihe in den letzten 25 Jahren bei der Verwindungsfestigkeit gemacht. Wer aus einem Urmodell kommt und in den neuen MX-5 steigt, fragt sich vermutlich mit was für einer weichen, wackelnden Klapperbude er bis gerade eben unterwegs war. Nicht unwesentlich daran beteiligt ist sicher die topmoderne Konstruktion und die zusätzlichen Verstrebungen am Unterboden. Eine davon erinnert sogar etwas an eine Miniversion der beim NA beliebten Butterfly-Brace von Flyin‘ Miata.

Mazda MX-5 ND Unterboden

Durch die Kurven hat man trotz der für einen Sportwagen recht schmal Dimensionierten 195ern nie das Gefühl zu wenig Grip zu haben. Vielmehr hat man ein sehr gutes Gefühl für den Zeitpunkt wann die Traktion abreißt, sehr einladend für einen unvernünftigen Fahrstil 😉 Nicht sicher bin ich mir, ob die Winterreifen am Schlupf in besonders engen Kurven Schuld waren oder ob auch dem kleinen Motor ein Sperrdifferential gut tun würde – das werden bestimmt Andere in ihren Testberichten im nächsten Sommer herausfinden 😉

Kein MX-5 ohne sein einzigartiges Getriebe. Auch dieses mal wurde am Getriebe gefeilt, zum Glück gibt es nicht viel neues zu berichten: Knackig, extrem kurze Schaltwege (<4,5cm) und eine kleine Kugel als Schaltknauf – mehr braucht der Roadster-Fan nicht.

Mazda MX-5 ND Getriebe

Verbrauch

Eigentlich schon fast Frevel bei so einem Wagen vom Verbrauch zu reden, aber der Vollständigkeit halber… 😉 Während des 7 Tage dauernden Tests wurden ca. 900km abgespult. Das Streckenprofil hat wie folgt ausgesehen: 400km Autobahn (140kmh), 70km Stadt und der Rest bestand aus Landstraße. Alles in allem wurde das Auto während des Testzeitraums nicht gerade zum „Blümchenpflücken“ genutzt und die Drehzahlnadel konnte sich ganz gut mit dem oberen Drehzahlbereich bekannt machen. Unterm Strich war der Durchschchnittsverbrauch bei  7,1L (Berechnet: Kilometer / getankte Spritmenge)

Die Evolution zwischen Xenon- und LED-Hauptscheinwerfern wie beim Testwagen ist übrigen immens, wer nachher in einen Wagen mit Halogenlicht steigt hat das Gefühl bei Kerzenschein zu fahren.

Mazda MX-5 LED-Licht

Elektronik&Helfer

Das Positive vorweg: Die verbaute Elektronik fällt abgesehen vom Display nicht auf. Anfangs war ich skeptisch von all den „neumodischen“ Helfern die der ND an Board hat – war aber bereits nach kurzer Zeit positiv überrascht wie dezent sich alles einfügt. Nur der Spurhalteassistent, der unter gewissen Konditionen durch ein brummen warnt, wenn über die Straßenmarkierung gefahren wird hatte eine Handvoll Fehlalarme – er kann per Knopfdruck deaktiviert werden. Die Angst das Display könnte die Sicht einschränken ist übrigens unbegründet, es ist so positioniert das es aus der Sicht des Fahrers unter der Windschutzscheibe endet.

Mit dem kleinen Joystick lernt man übrigens schnell umzugehen ohne seine Augen von der Straße zu lassen, eine angenehme Alternative zu anderen Lösungen mit unzähligen Knöpfen am Armaturenbrett.

Mazda HMI Commander

MX-5 NA und ND im Vergleich

Direkt dem NA gegenüber gestellt wirkt der Neuling nicht wie der Ur-Enkel des NA – sondern eher wie ein böser Cousin. Von der Optik ist beim ND nicht mehr viel vom Original übrig geblieben, allerdings war das Aussehen aus meiner Sicht für den Erfolg dieser Autos seit jeher maximal zweitrangig. Es war schon immer das einzigartige Fahrgefühl welches diesen Roadster attraktiv gemacht hat.

Mazda MX-5 NA ND Vergleich

Nach diesem ausgiebigen Test muss ich sagen, dass beide Wägen ihren eigenen Reiz haben. Der ND ist nicht drauf getrimmt seinen Vorgängern alles gleich zu machen, sondern mit aktuellen Technik und Abstimmung zu punkten und die Leute im „Hier und Jetzt“ anzusprechen. Man könnte fast meinen, die Leute in Hiroshima hätten noch einmal das Pflichtenheft des NA herausgekramt und alles mit der Technik des 21. Jahrhunderts neu realisiert.

Herausgekommen ist eine konsequente Weiterentwicklung von allem was die Menschen am NA zu lieben gelernt haben. Sei es die knackige Schaltung oder auch die Heizung die es einen erlaubt, bei 4°C offen mit 140kmh über die Autobahn zu bügeln gleichzeitig den Innenraum dermaßen aufzuheizen dass einem die Arme verbrüht werden. Mazda scheint alle sinnigen und herrlich unsinnigen Praktiken sowie  Bedürfnisse der MX-5 Fans begriffen zu haben 😉


Mazda MX-5 NA und ND im Vergleich

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